Mietendeckel – wenn nicht von oben, dann eben von unten

Solange Regierungen und Parlamente uns Mieter:innen vor Konzernen wie Heimstaden nicht wirksam schützen, machen wir unseren Mietendeckel eben selbst und senken massenhaft die Miete. 

Im Rahmen der globalen Housing Action Days haben wir eine große Flyerkampagne in rund 130 Häusern gestartet, die Heimstaden dem Konzern GMRE / Gabriel International abgekauft hat. Mit den Flyern informieren wir, dass Mietverträge, die noch mit dem Vorbesitzer GMRE / Gabriel International abgeschlossen wurden, ungültige Indexklauseln enthalten – denn diese Klauseln sehen eine einseitig dem Vermieter vorbehaltenen Mietanpassung vor.

Der Berliner Mietendeckel war ein sehr wirksames und gutes Instrument für echten Mieter:innen-Schutz. Diesen Schutz haben die konservativen und marktradikalen Parteien Hand in Hand mit den Verursachern und Profiteuren aus der Wirtschaft zerstört, um die Bodenspekulation und die Mietpreistreiberei weiter anzuheizen. Das führt zu einem immer weiter wachsenden Problem:

Die Mieten sind eindeutig zu hoch. Und ein massiver Mietpreistreiber sind dabei die Indexmieten. Denn Indexmieten werden jedes Jahr um den Inflationswert erhöht und diese jährlichen Erhöhungen fließen kontinuierlich in die Berechnung des Berliner Mietspiegels ein, ohne dass die Erhöhungen der Indexmieten durch diesen Mietspiegel gebremst werden. Das ist unlogisch und vor allem skandalös.

Bei Heimstaden verschärft sich der Skandal, weil der Konzern Mieterhöhungen auf Indexklauseln einfordert, die ungültig sind. Heimstaden weiß von der Ungültigkeit dieser Klauseln und erkennt sie bei Widerspruch an. Trotzdem fährt Heimstaden ungerührt fort, weiterhin Mieterhöhungen auf Basis genau dieser ungültigen Indexklauseln von unwissenden Mieter:innen einzufordern. Das heißt, entweder schaut Heimstaden nicht in die Verträge oder spekuliert auf die Unwissenheit von uns Mieter:innen. Beides ist schamlos und unseriös.

Heimstaden versucht mit aller Gewalt, in alle unsere Mietverträge Indexklausel einzubauen. Vertreter von Heimstaden geben offen zu, dass Indexklauseln eine einfache Art der Mieterhöhungsforderung darstellen. Per Knopfdruck kann Heimstaden darüber jährlich massenhaft die Mieterhöhung generieren, ohne die Verträge, die Beschaffenheit der Wohnungen und den Mietspiegel berücksichtigen zu müssen. Automatisiert wird die Miete mit dem geringen Aufwand eines Knopfdruckes für alle ohne Obergrenze hochgetrieben. Doch dagegen wehren wir uns!

In den Fällen, in denen Mieter:innen die Anerkennung der Ungültigkeit der Indexklausel durch Heimstaden durchgesetzt haben, versucht Heimstaden ihnen durch die Hintertür eine neue Indexklausel unterzujubeln. Doch darauf hat Heimstaden keinen Anspruch! Wenn eine Passage eines Mietvertrages ungültig ist, entfällt sie ersatzlos.

Wir rufen alle Mieter:innen auf, die bei GMRE / Gabriel International einen Mietvertrag abgeschlossen hatten, zu prüfen, ob auch in ihrem Mietvertrag diese ungültige Indexklausel enthalten ist. Sollte sich dies bestätigen, geht dagegen vor! Weist Mieterhöhungsforderungen zurück und fordert bereits gezahlte Mieterhöhungen zurück, egal ob ihr immer noch in den Wohnungen wohnt oder schon ausgezogen seid! Ihr habt einen Anspruch darauf. Und UNTERSCHREIBT NICHT den von Heimstaden angebotenen Vertragsnachsatz! Das ist ein Trick! Die Rücknahme der ungültigen Mieterhöhungen und euer Anspruch auf Rückzahlung der bereits gezahlten Mieterhöhungen auf Basis dieser ungültige Indexklausel gilt auch ohne diesen Vertragsnachsatz. Nach dem Kippen der Indexklausel wird der Mietervertrag ein normaler Mietvertrag, mit durch den Mietspiegel regulierten Mieterhöhungen.

Wir fordern Heimstaden auf, die Mieten zu senken und die gezahlten Mieterhöhungen zurückzuzahlen. Und wir fordern von Heimstaden, endlich den miesen Trick mit den Vertragsnachsätzen einer neuen Indexklausel sein zu lassen und uns Mieter:innen nicht weiter zu täuschen!

Kommt es eigentlich schon einem Betrugsversuch gleich, wenn Heimstaden im vollsten Bewusstsein über die Ungültigkeit der Indexklausel trotzdem weiterhin Mieterhöhungen auf dieser Basis fordert? Und ist es nicht arglistige Täuschung uns Mieter:innen zu suggerieren, wir müssten den Vertragsnachsatz annehmen, damit Heimstaden die letzte (ungültige) Mieterhöhung zurücknimmt?

Wir fordern die Politik auf, diese Sachverhalte zu klären und ggf. Heimstaden anzuzeigen und rechtlich zur Verantwortung zu ziehen! Und wir fordern die Politik auf, Indexmieten zu verbieten und die Umschreibung von Indexmietverträge in reguläre Mietverträge gesetzlich vorzuschreiben!

Index-linked rent clause is void

Did you sign a rental contract with GMRE/Gabriel International?

And does your rental contract contain one of the following passages?

"§ 2 Miete
Nach Ablauf der Staffelmietvereinbarung ist der Vermieter berechtigt, die Nettomiete nach Maßgabe des § 557 b BGB (Indexmiete) anzupassen. Er wird das Verlangen schriftlich erklären. Die Basis für das Verlangen bildet die Änderung des vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Lebenshaltungskostenindex aller privaten Haushalte in Deutschland (Basis 20xx = 100 Punkte)."

[§ 2 Rent
Upon expiry of the graduated rent agreement ("Staffelmietvereinbarung"), the landlord is entitled to adjust the net rent ("Nettomiete") in accordance with § 557 of the German Civil Code (BGB) ("Indexmiete" or index-linked rent). The landlord must make the request in writing. The basis for the request is the change in the cost of living index ("Lebenshaltungskostenindex") for all private households in Germany published by the Federal Statistical Office ("Statistisches Bundesamt") (base 20xx = 100 points).]

or

"Der Vermieter ist berechtigt, die Nettomiete nach Maßgabe des § 557 b BGB (Indexmiete) anzupassen. Er wird das Verlangen schriftlich erklären. Die Basis für das Verlangen bildet die Änderung des vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Lebenshaltungskostenindex aller privaten Haushalte in Deutschland (Basis 20xx = 100 Punkte)."

[The landlord is entitled to adjust the net rent ("Nettomiete") in accordance with § 557 of the German Civil Code (BGB) ("Indexmiete" or index-linked rent). The landlord must make the request in writing. The basis for the request is the change in the cost of living index ("Lebenshaltungskostenindex") for all private households in Germany published by the Federal Statistical Office ("Statistisches Bundesamt") (base 20xx = 100 points).]

Important: This so-called "Indexklausel" (index clause) is void!

Therefore, rent increase demands by Heimstaden under § 557b BGB that refer to such an index clause in old GMRE contracts are void and do not have to be paid. Tenants can demand a refund from Heimstaden for rent increases already paid under this index clause.

What to do?

Submit a written objection ("Widerspruch") to the rent increase, stating the following reason: "Die Indexklausel ist wegen der einseitig dem Vermieter vorbehaltenen Anpassung ungültig." (The index clause is void because the right to changes in rent is reserved solely for the landlord.)

Demand a refund ("Rückerstattung") of any rent increases already paid! For example, "Ich fordere Sie zur Rückzahlung aller von mir gemäß dieser ungültigen Indexklausel gezahlten Mieterhöhungen binnen 14 Tagen auf mein Konto xxxx auf!" (I demand that you refund all rent increases paid in accordance with this void index clause to my account xxxx within 14 days!)

Calculate the amount and state it in your claim for reimbursement.

Inform your neighbours, even if they have already moved out. If they also have or have had such a rental contract, they are also entitled to reimbursement of rent increases already paid.

You don't know if your building is affected? Here is a list of buildings formerly owned by GMRE/Gabriel.

Do not sign anything from Heimstaden before a lawyer has looked at it!

BEWARE!

Heimstaden is trying to sneak valid index clauses into contracts in the form of contractual addendums ("Vertragsnachsätze"). Heimstaden has no right to do this, so: DO NOT SIGN!

This is because if the index clause is void, the tenancy agreement is automatically converted to a standard tenancy agreement in accordance with § 558 of the BGB, and index-linked rent increases no longer have to be paid. If a valid index clause is signed at a later date, it will apply.

Advantages of a standard tenancy agreement in accordance with § 558 BGB:

  • Rent increases may not exceed the local reference rent ("ortsübliche Vergleichsmiete") according to § 558 BGB. In Berlin, this is usually determined by the rent index ("Mietspiegel").
  • The net rent excluding service charges ("Kaltmiete") may be increased by a maximum of 15% in the space of 3 years. There must be at least 15 months between two rent increases.
  • As tenants, we are entitled to refuse rent increases in accordance with § 558 BGB, i.e. the rent cannot be increased without our consent, unless we are ordered to agree to the increase following a court ruling.
  • If the rent increase exceeds the local comparative rent, we are not obliged to agree to it.
  • We can apply the so-called rent brake ("Mietpreisbremse") in cases of excessive starting rents. (Contracts from May 2015 onwards)
  • If we refuse to give our consent, the rent increase request in accordance with § 558 BGB will not result in any rent arrears ("Mietschulden") until we are ordered by the court to give our consent. (Then pay quickly!)
  • If Heimstaden fails to bring court proceedings within the first three months after the rent increase takes effect, the rent increase will lapse. (From experience, Heimstaden has been unable to take cases to court within this period. Should you have renters' legal protection insurance ("Mietrechtsschutzversicherung"), it will cover the costs of any legal action.)

If you have any questions, please seek legal advice("Mietrechtsberatung").